Wahre Polarität


 © Ben Hollenbach


 

In absoluter Offenheit gegenwärtig. Und sich dabei selbst durchdringend. So ist das Prinzip. Das weit über alles hinausgeht, was wir unter „Mann“ und „Frau“ verstehen. Es ist, was wir sind! – Wir sind Ausdruck des Prinzips, das sich im Leben selbst empfangen und damit vollkommen vergegenwärtigen möchte.

 

Als lebendige Anwesenheiten sind wir zunächst einmal keine Akademiker, Müllmänner oder Putzfrauen, sondern sich selbst erlebende und vergegenwärtigende energetische Muster. Also Energie, die sich selbst vernimmt – und dabei unmittelbar spürt. Auf dieser Ebene stellt es sich so deutlich und wunderschön dar. Es geht nicht um eine vollkommen missverstandene Form der Gleichberechtigung, sondern um Hingabe. An mich selbst. In Offenheit. Und damit um den Respekt des Geistes vor sich selbst als energetischem Muster. – Vor dem Muster, das diesem Leben zugrunde liegt und sich in diesem Leben verwirklichen will.

 

Das, was Geist ist, ist zugleich Respekt vor dem Leben. Weil Geist das ist, was sieht, was einsieht und erkennt, statt alles immer wieder nur sinnlos zu kommentieren. Ich respektiere mich, heißt: Ich lasse mich zu. Ich verwirkliche, dass ich bereits eine kosmische Zulassung habe, die nur noch eins will: Verwirklichen, was das bedeutet. Damit ich selbst zu dieser Verwirklichung werden darf. Dafür bedarf es meiner unbedingten Anteilnahme an diesem Leben. Und damit meiner Bereitschaft für mich.

 

Meine Anteilnahme ist, was das Wasser und das Sonnenlicht für die Pflanze sind. Dadurch werde ich zu einer immer deutlicheren Demonstration meines Erkennens. Einfach, indem ich erlebe, wie ich bin. Statt mich auf bestimmte Weise haben zu wollen. – Erst wenn ich mich in meiner Unversehrtheit erkenne, wenn ich erkenne, dass die Instanz in mir, die mich als reines Muster falsch setzen will, die Falschheit in Person ist, ist es mir möglich, Dich zu spüren und dabei mich zu sehen. Und umgekehrt. – Als das, was mir entspricht! Als mein Gegenüber, das ich auf der Grundlage wahrer Muster in absoluter Offenheit erlebe.

 

Ich bin kein Soldat. Das ist mir jetzt klar. Ich höre auf niemandes Befehl. Nicht einmal auf meinen eigenen. Weil ich nicht mehr derjenige bin und sein kann, dem man das Leben weitestgehend abgewöhnt hat, damit ich tun „kann“, was ich als mich selbst empfindendes, lebendiges Wesen niemals (mit mir) tun und niemals von mir erwarten würde. Ich bin nicht hier, um sklavisch fremde Pläne auszuführen. Und ich bin auch nicht hier, um dir zu gefallen. Nein, ich bin einfach nur hier. Als Wirklichkeit, die sich endlich selbst erleben will. Unverzerrt. Ungeschminkt.

 

Wahre Hingabe. Echter Selbstrespekt …

Damit bin ich in Wirklichkeit nicht gut oder schlecht, nicht sklavisch, nicht indoktriniert oder vergesellschaftet, sondern frei, mich als kosmischen Ausdruck so zu erleben, wie es mir entspricht. Und dabei werde ich immer tiefer. – Sich selbst vertiefend; das ist es, was Hingabe ist: Stille, die mich erst möglich sein lässt. Und Raum, der mich zu mir erwachen lässt, weil er keine Meinung über mich hat. Es ist dieser stille, sich selbst zugewandte Raum, in dem ich als mich selbst erlebende Lebenswirklichkeit zu mir komme. Das ist wahre Hingabe. – Und damit echter Selbstrespekt.

 

Aus diesem Selbstrespekt heraus begegne ich. Und spüre damit immer genauer und immer direkter, wohin es mich in und als Wirklichkeit zieht. Und genau das macht mich weit. So weit, dass ich mir selbst in und als Wahrhaftigkeit begegnen kann. – Statt weiterhin eigensinnige Impulse setzen zu wollen, folge ich mir als Impuls. Und werde damit zu einem/r Geführten. Ich verwirkliche immer tiefer, dass ich mir unbekannt bin. Und genau das macht mich frei! – Frei von mir als vorgefasster Idee, die sich nicht erreichen lässt, weil kein echtes Blut durch ihre Adern fließt. Jetzt erkenne ich deutlich, dass mich diese Ideen an Vorversionen von mir binden und mich darin bei lebendigem Leib verhungern lassen. Weil ich einfach kein an sich selbst festhaltender Gedanke bin, der mir immer noch und immer wieder den Atem nimmt! Meinen Atem!

 

Wenn sich diese Tatsache in mir verwirklichen darf, werde ich wirklich in der Lage sein, befreit und hingegeben zu lieben. Mich selbst, als diesen nicht akademischen, nicht vermüllmannten Lebensstrom. Mich, als Energie. Auf diese Weise werde ich zu dem, was Erfahrung ist. Zu einem nicht übersetzten Erleben, das sich auf der Ebene „meines Nervengeflechts“ vollzieht und dabei unmittelbar spürt.

 

Der sich zu Tode Analysierende nimmt seinen Hut …

Doch wir, als die problembewussten Kinder unserer Zeit, die zwanghaft problematisieren, theoretisieren und analysieren, leben als der Überbau dieses lebendigen Organismus. Aus diesem Grund fühlen wir uns oft so schal, so leer, so freudlos und so wenig lebendig. Allein aus diesem Grund gibt es Disneyworld und alle möglichen Formen der Ablenkung von diesem unglücklichen, weil völlig übersehenen Wesen. Als das ich in dieser Wirklichkeit lebe. Die nicht meine ist!

 

Wodurch könnte das Unglück dieses Wesens besser verdeutlicht werden als durch Disneyworld? – Leer. Nichts drin. Keine Berührung. Keine Erfahrung. Nichts, außer schaler Langweile – Unterhaltung. „Aber es hat so sehr in meinem Bauch gekribbelt.“ – Genau davon spreche ich. Von dieser Leere. Von dieser Schalheit.

 

Ich will mich auf allen Ebenen vereinigen. Und die erste und entscheidendste Ebene ist die Ebene, die ich bin. Und damit nimmt der Akademiker in mir seinen Hut. Der sich zu Tode Analysierende. Der immer wieder nur Bedenkenträger ist. Der alles Problematisierende. Er wird sich selbst gegenüber schlicht arbeitslos, weil niemand mehr seinen ausführlichen „Selbstbetrachtungen“ zuhören will. – Da backe ich lieber ein Brot oder küsse Dich! Weil das dem Leben in einer Vollkommenheit entspricht, die glücklich macht. Ein echtes Brot! – Seine Kruste. Sein Duft. Dieser Geschmack! Ist wie ein Kuss. – Du! Bist! Als dieser sich selbst küssende Kuss! So echt ist Selbstberührung.

 

Wenn Du Dich auf diese Weise erfährst, werden Deine Küsse echte Küsse sein. Und Du allein wirst wissen, wen Du küssen willst und auf welche Weise. Dann bist Du Dir wirklich nah. So vertraut, dass Du Dir nicht mehr vertrauen musst. So vertraut, dass Du gar nicht mehr anders kannst, als Dich Dir selbst gemäß auszudrücken. Weil Du eins mit Dir bist. Vereinigt. Zu Dir gekommen. Als definitionsloses, reines, freies Erleben. Genau dieser Intimität bedarf es. Das ist die Vereinigung, nach der Du Dich sehnst.


Öffnung


 

Ich kann mich nicht öffnen.

Das ist der gedankliche Fehler im System.

Die falsche Annahme.

Öffnung passiert von allein.

Oder es ist keine Öffnung.

Näher als alle Freiwilligkeit, weiß das Geöffnetsein nicht.

Es ist – oder nicht.

Dieses Seiende Nichtsein ist, was sich in absoluter Vollkommenheit entspricht.

Die nicht manipulierte und nicht kontrolliere Wirklichkeit. Deiner selbst.

 

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