R E S E T

 

Der personale Code ist das trojanische Pferd.

 

Ist Dir das noch nicht aufgefallen? Du bist dieses Programm. Oder genauer gesagt: Du lebst als dieses Programm, bis Du seinen Quellcode erkennst. Ich meine damit nicht den kosmischen Quellcode, sondern den Code, der sich in Dich eingeschrieben hat. Er ist es, der den wahren Code überlagert. Insofern ist der „personale Code“ so etwas wie ein trojanisches Pferd. Durch das Du auf die wahre Quelle aufmerksam werden kannst. Solange Du diese Täuschung nicht durchschaust, kann es zu keinem echten Reset (Zurücksetzung in den Ausgangszustand) kommen. Mehr noch: So lange hast Du Angst vor dem Reset und wirst alles dafür tun, dieses kleine Programm zu verteidigen, das Du als Dich erlebst. Weil Du es mit Dir gleichsetzt und es für Dich hältst. Weil Du nichts anderes hast und nichts anderes kennst. Weil Du dieses Programm glaubst und ausdrückst. Schlicht: Weil Du als dieses Programm lebst.

 

Gleichzeitig spürst Du – und das ist diesem Programm eingebaut, weil es den tatsächliche Quellcode nicht überschreiben kann! – dass Dich diese Programmierung bedrängt und von der Wahrheit Deiner selbst abhält. Deshalb fühlst Du Dich nicht glücklich mit ihr – und damit mit Dir! Selbst wenn Du alles hast, wenn Du alles erreicht hast und in einer Beziehung bist, die funktioniert, selbst dann fehlt Dir etwas. – Das Entscheidende! Es fehlt immer etwas, und es ist immer zu eng. Anderenfalls würden wir uns nicht immer wieder in ein Außen verirren, uns selbst veräußerlichen, vergleichen und bewerten.

 

Wenn wir uns nicht dermaßen limitiert fühlen, haben wir nicht länger das Bedürfnis, andere (oder uns selbst) klein oder groß zu sehen, zu denken oder zu sprechen. Dann erleben wir uns selbst aus einer freien Perspektive und kommen nicht mehr auf die Idee, dass wir ein Problem mit uns haben und an uns leiden. Weil wir dann aus einem sehr viel größeren Zusammenhang heraus sehen können, dass sich dieser Zustand immer wieder selbst hervorruft. Bis er wirklich durchschaut ist und damit keine Bindekraft mehr hat.

 

Wir hängen an diesem Programm, wie an nichts anderem. Und doch kann uns vollkommen klar werden, dass das Programm erst durch uns zu einer erlebten Wirklichkeit wird. – Auf diese Weise findet das Programm ins Licht. Und wird zum ersten Mal einfach gesehen.

 

Das Licht, dass allem eine scheinbar eigene Anwesenheit verleiht …

 

Dabei verhält es sich wie mit einer Filmrolle, die in einer Kassette gegen Licht geschützt im Archiv steht. Der Film erzählt eine Geschichte. Es hat einen Inhalt, aber er ist ungesehen. Durch das Licht des Projektors erscheint wie von Geisterhand eine bewegte und scheinbar lebendige Geschichte, die jetzt vor unseren Augen abläuft. Und zwar vor den Augen, die – ebenso wie das Licht des Projektors – allem eine scheinbar eigene Anwesenheit verleihen: Dafür bedarf es des Lichts. Erst im Licht lässt sich diese in sich ein- und abgeschlossene Wirklichkeit aufdecken. Dabei bleibt der Inhalt des Films an den Film gebunden. Und der wird jetzt gesehen! – Ich sehe den Film. Aber ich kann auch jeden anderen Film sehen. Weil ich das Licht bin, in dem er erscheint. Ich bin der Ausgangspunkt und die Quelle jeder Erscheinung. Und ich bin es auch, den sie erreicht. Dem sie erscheint!

 

Wir sind nicht nur das Licht des Projektors. Wir sitzen auch als Zuschauer im Kinosaal. Und der Zuschauer kann nichts anderes sehen als das, was sich auf der Leinwand abbildet. Er kann dabei nichts anderes empfinden als das, was er dabei empfindet. Die Bilder fallen in ihn ein und tun ihre Wirkung.

 

Obwohl der Projektor die Bilder in den Raum wirft, bleibt er dabei als die unbewegte Quelle der Erscheinung selbst unentdeckt. Der Quellcode des Lichts passiert den Film und wird dadurch in einem anderen Licht gesehen. In einer neuen Codierung. Als Geschichte.

 

Ist es mein Schicksal, mir immer wieder denselben Film anzuschauen?

 

Durch mich als Projektor wird der Film sichtbar. In mich als Zuschauer fällt der Film ein. Und doch kann der Projektor den Film nicht ändern. Aber Du als Zuschauer kannst erkennen, dass das Licht des Projektors eine viel höhere Form der Wirklichkeit hat als die Geschichte, die sich in seinem Licht zeigt. Schlicht, weil durch sein Licht auch andere Filme gesehen werden können! Und das ist auch mir als Zuschauer möglich. Wenn ich einen anderen Film zu sehen bekomme, sehe und erlebe ich etwas anderes. Ich, als der wahre Zuschauer, bin also im höchsten Maße flexibel. Ich habe in Wirklichkeit keine eigene Position, sondern empfange, was sich mir im Licht zeigt. Doch nur wenn ich mich mit dem Empfangenen verwechsele, bin ich an ein Schicksal gebunden. Und damit weiterhin gezwungen, mir immer wieder denselben Film anzuschauen! Den ich dann zu erlösen und umzuschreiben versuche, weil ich ein Happy End erleben will.

 

Dabei bist Du die Quelle der Erscheinung! Das ist die Realisation, die von selbst zum Reset führt. Was von Dir als Programm wie ein Verrat gewertet und empfunden wird. Doch Du willst jetzt wirklich erkennen, wer Du bist. Und Dich nicht immer wieder an dieselbe Geschichte verlieren. Langsam wird immer deutlicher wahrnehmbar, dass sich das, was Du wirklich bist, an nichts hängt und sich mit nichts identifiziert, sondern alles so unmittelbar und direkt erlebt, dass daraus keine neue Geschichte entsteht. Weil die Qualität, die Du bist, immer gegenwärtig ist. Du bist Deiner Qualität nach Gegenwart. In die Hinein alles verbrennt.

 

Das führt nicht dazu, dass ich mich dann nicht mehr erinnern und nicht mehr projizieren kann. Beides ist mir weiterhin möglich, weil ich mir meiner selbst als Gegenwart bewusst bin. Die sich selbst aufzeichnet. Aber ich interessiere mich nicht für mich als Aufzeichnung. Ich schaue sie mir nicht an, um daraus meine Identität zu beziehen, um mich mir immer wieder als dieselbe Geschichte zu erzählen. Nein, die Aufzeichnungen stehen mir zur Verfügung. Ohne mich zu beherrschen.

 

Die allem zugrunde liegende Intelligenz verwirklicht sich.

 

Das ist das Kennzeichen der Gegenwart: Sie ist hier, ohne sich immer wieder völlig willkürlich in Geschichten zu verlieren. Das bewusste Erleben der Gegenwart offenbart sich von selbst als die allem zugrundeliegende Intelligenz, die sich damit unaufhörlich selbst verwirklicht.

 

Hier erkennt sich Bewusstsein als vollkommen offen und einsichtig für sich selbst. Hier bedarf es keiner weiteren Tradition. Hier sieht sich der Quellcode selbst ein. Und genau das führt zu wahrer Evolution: Der Evolution des Lebens im Bewusstsein, das auf einer Höhe mit sich selbst lebt. Von hieraus komme ich nicht mehr auf die Idee, mich in mein „sorgenvolles Privatuniversum“ zurückzuziehen. Und eben darin besteht der Reset. Du verwirklichst, dass Du das Licht bist, in dem Du Dich entdeckst …