Gott. Mensch. Sein.


Hinführung

Deine göttliche Natur

 

Sich berührendes Leben. Jetzt, ganz direkt, völlig ungeschützt, von sich selbst durchdrungen. Berührung, die sich im Wind wiegt, die ihr Fell leckt, sich in den Bäumen versteckt, von der Sonne zur Fruchtbildung anregen lässt. Berührung, die unterschiedslos auf die zartesten Halme und die mächtigsten Baumkronen niederprasselt und verdunstend in sich selbst hinein aufsteigt. In diese Reinheit, die zu den klarsten Quellen führt. Die singt, sich selbst lockt und dabei selbstvergessen in sich selbst ruht. Die tosend in sich zusammenbricht und selbst im Tod nichts anderes als neues Leben bringt. Das Leben ist eine ewige Selbstberührung. – Die den Geist zum Leben hin öffnet. Und im Geist zu sich kommt. – Vor nichts haben wir mehr Angst! Weil es uns in der uns bekannten Form überwältigt – und damit „neu“ sein lässt.

 

Unverstelltes Leben, das neugierig auf sich ist, das aus sich herausbricht, schwankend umhertapst, staunt und tief erschöpft in sich ruht. Und sich in all dem und als all das in unendlicher Vielfalt selbst feiert! Daher kommen wir. – Leben, das sich in die Ewigkeit hinein ausstreckt, die es dadurch erst erschafft und erlebt. Immer hier, ganz da, wo es ist. Im ewigen Augenblick der Wirklichkeit, der so wirklich ist, dass er nicht erst noch gedacht werden muss.

 

Von diesem ewigen Augenblick weiß der sich selbst übersteigernde Verstand nichts, der sich vor dem Leben fürchtet und deshalb die göttliche Natur in sich als Mensch und damit überall unterdrückt, missachtet, ja leugnet! Um sie sich und seinen Vorstellungen anzupassen! Diese Übersteigerung trennt den Verstand vom Leben und lässt den Menschen zum Schatten seiner wahren Natur verkommen. Zu einer Einbildung, durch die das Heilige Leben in Himmel und Hölle zerfällt. Das sich dadurch nicht mehr selbst berührt, sondern zu einer Einbildung mutiert, die in eine unglaublich angstvolle Wirklichkeit führt und die Möglichkeit der wahren Menschwerdung dabei völlig übersieht.

 

Das unbedingte Wissen-wollen zum eigenen Vorteil ist die Krankheit dieser Welt. Es übersieht immer den Gesamtzusammenhang, der sich nur in stiller Dankbarkeit empfangen und erleben lässt. Wir entreißen dem Leben seine Geheimnisse, statt uns in diesem Geheimnis geborgen zu wissen, das göttlichen Ursprungs ist. Gott zu spüren heißt, im Vertrauen zu sein. Ich spüre die Existenz am eigenen Körper – ganz unmittelbar. Und bin darin von Anfang an aufgehoben. Das ist es, was ich entdecke, wenn ich dem Göttlichen in mir Vertrauen schenke. 

 

Davon weiß der angstvoll Sezierende nichts und stürzt sich immer wieder auf die unbedeutendsten Details. Damit wird das Leben zu einem harten und seelenlosen Strategiespiel, in dem es darum geht, „bestmöglich“ durchzukommen. Und diese Scheinrealität ist so komplex, dass sie uns von Experten erklärt werden muss. Sie sind es, die die Probleme diagnostizieren, die es dann mit den Mitteln der Vernunft zu bekämpfen gilt. Womit wir uns ständig im Kampfmodus befinden.

 

Eine dermaßen unverbundene „Vernunft“ macht Angst. Sie paralysiert und höhlt uns aus. Woraufhin das Göttliche in uns abstürzt und der letzte göttliche Funke verglüht. Weil der Angstvolle es nicht für möglich hält, etwas von wahrem Wert zu empfangen. Weil er nicht bereit ist, sich berühren und damit von seinen angstvollen Einbildungen zu lassen. Weil wir uns in unseren Wahnvorstellungen auf angstvolle Weise selbst anbeten – und Angst nur sich selbst sieht und sich immer wieder nur selbst vertraut. Aus diesem „Vertrauen“ heraus erleben und handeln wir, als wären wir nicht dabei … So wird das Leben als eine ständige Bedrohung erlebt, auf die wir unentwegt reagiert müssen.

 

Die Natur ist aus unseren Städten verbannt, damit alles besser und effektiver funktioniert. Damit wir ganz vergessen können, wer wir in Wirklichkeit sind! Damit der angstvoll enge Verstand zur alleinigen Vorlage unseres Handelns werden kann. Und es uns dankt, indem er für uns hübsch ordentliche Parks und Grünflächen anlegt, die um so viel besser zu ihm passen als das, was Natur ist. Dieser Verstand kultiviert – und schwächt damit alles! Nur nicht sich selbst. Dieser Gärtner versteht sich als Meister über uns und die Natur. Und das fühlt sich einfach hundeelend und leer an!

 

Der sich selbst nicht durchschauende Verstand hindert uns daran, uns an eine sehr viel tiefere Wirklichkeit zu erinnern. An unseren Ursprung. An die Wahrheit des Kosmos, der sich im Rhythmus der Natur befindet, der nicht verstanden aber zu-tiefst erlebt werden kann. Weil wir eben weit mehr sind, als wir denken. Wodurch wir der Liebe erst fähig werden! Wodurch sich die Liebe selbst entdeckt – und damit verwirklicht!

 

Der Rhythmus des Lebens, des Dschungels, des Atems, des Herzens – das alles hat ganz direkt mit mir zu tun. Dieser Rhythmus lässt mich das Leben unmittelbar spüren, so wie ich bin, mich aber nicht kenne. Als anwesende Gegenwart, die sich selbst spürt. Als bewusster Mensch, der unmittelbar vom Leben lernt. Und von allem Lebendigen berührt wird …